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Die fünf Paradigmen der Psychologie - Eine tabellarische Übersicht

 

  Tiefenpsychologie Ganzheitspsychologie Behaviorismus Psychobiologie Kognitivismus
paradigmatische

Basiseinheiten:

zentrale

Begriffe

und

elementare

Relationen

Untersucht werden die Vorgänge im psychischen System: Es reguliert Erleben und Verhalten, um die von elementaren Antrieben gesetzten Ziele zu erreichen. Wesentliche Vorgänge im psychischen System sind unbewußte Prozesse. Untersucht werden psychische Phänomene als Ganzheiten: Sie bestehen aus Teilen (Unterganzheiten), die interdependent aufeinander einwirken.

Durch Interdependenz der Teile entstehen Ganzheiten als prinzipiell neue emergente Phänome.

Untersuchungsgegenstand ist das offeneVerhalten: Beobachtbare äußere Reaktionen von Individuen auf äußere Reize. Untersucht wird das biologisch adaptive Verhalten, also autonome Aktivitäten zur Sicherung des Überlebens und der Fortpflanzung. Verhalten unterliegt genetischen Einflüssen und ist hierarchisch organisiert. Es ist immer sowohl von innen als auch von außen bedingt. Untersucht werden Prozesse der Informationsverarbeitung. Diese beruhen darauf, daß kognitive Repräsentationen verschiedenen kognitiven Prozessen unterzogen werden. Aus solchen Prozessen bilden sich organisierte kognitive Schemata und Wissensstrukturen.
 
 

 

paradigmatische

Fundamental-

gesetze:
Zentrale

inhaltliche

Behauptungen

Regulation und Adaption:

Das psychische System reguliert die inneren Zustände im Hinblick auf eine möglichst gute Anpassung an die Außenwelt.

Genetisches Grundgesetz:

sukzessive Strukturbildung im Verlauf der ontogenetischen Entwicklung; daraus entsteht eine Persönlichkeits- bzw. Charakterstruktur.

Konflikt und Verdrängung:

Konflikte zwischen den Antrieben sowie inneren und äußeren Anforderungen können zu dauerhafter Verdrängung und Hemmung von Trieben führen.

Selbstorganisation:

Jede Ganzheit entsteht ohne äußere Verursachung "aus sich selbst".

Dynamisches Gleichgewicht:

Ganzheiten streben stets einem dynamischen Gleichgewichtszustand zu.

Reiz-Reaktions-Modell:

Äußere Reize und beobachtbares Verhalten eines Individuums sind gesetzmäßig miteinander verknüpft:

Reiz6 (Organismus)6 Verhalten

Das Verhalten steht damit „unter der Kontrolle" der äußeren Reizsituation.

Lernprozesse:

Jede Reiz-Reaktions-Verbindung kann durch äußere Einflüsse dauerhaft verändert werden.

Anpassung und Reproduktion:

Jedes Verhalten hat Einfluß auf die Anpassungs- und Reproduktionsfähigkeit eines Individuums.

Verhalten entwickelt sich phylogenetisch in evolutionären Prozessen.

Reproduktive Fitneßmaximierung: Der Prozeß der natürlichen Selektion führt zu einer stetigen Verbesserung der Anpassungsfunktion jedes Verhaltens

Verhaltensrelevanz:

Kognitive Prozesse sind in der Lage, Verhalten hervorzurufen.

Handlungsregulation:

Jedes Verhalten ist aktiv, zielgerichtet und plangesteuert.

 

paradigmatische

Methodologie:
 

 

Untersuchungs-

methoden,

Forschungs-

techniken,

Strategien der Theoriebildung

 

Psychoanalytische Gesprächssituation: an klinischen Einzelfällen systematisch auf unbewußte Prozesse rückschließen; Introspektion; theorieorientierte Deutung (qualitativ beschreibende hermeneutische Methode).

Theoriebildung durch Vergleich von Einzelfallstudien.

Ganzheitliche Erfassung aller Phänomene in möglichst realistischen Situationen; Beobachtung von „Phasenübergängen".

Theoriebildung durch „ganzheitliches" Sprachspiel

Strenge experimentelle Methodik:

objektive Kontrolle der untersuchten Variablen möglichst im (Labor-) Experiment; Genauigkeit quantitativer Messung; Reproduzierbarkeit aller empirischen Verfahren.

Theoriebildung durch Induktion.

Verschiedene empirische Methoden: Ungestörte und künstliche Beobachtungs- bzw. Experimentalsituationen; Wahrung des "funktionalen Bezuges" von Verhalten;

Theoriebildung durch vergleichende Methode: systematischer Vergleich verschiedener Arten oder Kulturen; spieltheoretische Modelle

Objektive empirische Verfahren:

Labor- und Feldexperimente, Befragungen; möglichst hohe Reproduzierbarkeit; aber auch Liberalisierung möglich, wenn sonst Phänomene „verlorengehen" würden.

Theoriebildung: Theorien „mittlerer Reichweite" als hypothetische Konstrukte - Theorien haben Modellcharakter


 

 

 

Tiefenpsychologie Ganzheitspsychologie Behaviorismus Psychobiologie Kognitivismus
Menschenbild Der Mensch reguliert z.T. durch unbewußte Prozesse die Ansprüche aus seinen inneren elementaren Antrieben und der Außenwelt. Der Mensch steht als organismisches System in aktiver Auseinandersetzung mit der Umwelt. Der Mensch steht unter der Kontrolle von Reizen seiner sozialen und physikalischen Umwelt; Lernprozesse optimieren seine Anpassung. Der Mensch ist ein aktiver biologischer Organismus, dessen Verhalten fortpflanzungs- und erhaltungsrelevante adaptive Funktionen hat. Der Mensch ist ein aktiver, informationsverarbeitender Organismus mit zielgerichteten, selbstgesteuerten Handlungen.
"scientific

community":

Gründer und

wichtige Vertreter

Freud (ab ca. 1900); Adler, Jung Wertheimer (ab ca.1912); Köhler, Koffka, Lewin, Krüger Watson (ab ca.1913) Guthrie, Hull, Skinner; Tolman Lorenz, Tinbergen (ab ca. 1935); Wilson, Hamilton, Maynard Smith Miller, Broadbent, Pribram, Galanter (ab ca.1960)
 
 

 

Einige

wichtige

Forschungsprogramme

 

Grundrichtungen:

1. Klassische Psychoanalyse (Freud und Schüler)

2. soziale Richtungen (Adler, Horney, Fromm ...)

3. philosophische Richtungen (Jung, Binswanger...)
 

 

Sozialpsychologie: Gruppenpsychologie (Simmel, Alexander, Richter) Transaktionsanalyse (Berne)

Entwicklungspsychologie: "Identität" (Erikson); "Deprivation" (Spitz)

Persönlichkeitspsychologie: Diagnostik (Rorschach)

Klinische Psychologie: psychoanalytische Therapie, Gruppentherapie (Balint), psychosomatische Medizin

Grundrichtungen:

1. Berliner Schule (Wertheimer, Köhler, Koffka, Lewin)

2. Leipziger Schule (Krueger, Sander)

3. „Rekursive Systeme"
 
 
 

 

Sozialpsychologie: Kleingruppenphänomene (Lewin);

soz. Konvergenzphänomene (Asch, Sherif, Milgram )

Entwicklungspsychologie: Entwicklungs- Stufenmodelle (Kroh, Werner); Entwicklung der Intelligenz (Piaget)

Pädagogische Psychologie: "Lernen durch Einsicht" (Wertheimer, Katona); „Situated Cognition" (Clancey, Greeno)

Klinische Psychologie: Gestalttherapie (Perls), Gesprächstherapie (Rogers), Systemische (Familien-) Therapie (Watzlawick u.a.)

 

Grundrichtungen:

1. Kontiguität (Guthrie)

2. Systematische Lerntheorie (Hull)

3. Operantes Konditionieren (Skinner)

4. Kognitiver Behaviorismus (Tolman)

Sozialpsychologie: soz. Interaktion (Thibaut, Kelley)

Entwicklungspsychologie: Erziehungsstile (Sears)

Persönlichkeitspsychologie: sekundäre Motivsysteme (Hull, Dollard & Miller)

Pädagogische Psychologie: programmiertes Lernen, Verhaltenssteuerung von Kindern (Skinner)

Klinische Psychologie: Verhaltenstherapie, "systematische Desensibilisierung" (Wolpe), "token economy" (Skinner)

 

Grundrichtungen:

1. Klassische Ethologie (Lorenz, Tinbergen)

2. Soziobiologie (Wilson)

3. Evolutionspsychologie (Tooby, Cosmides)
 
 
 

 

Sozialpsychologie: Aggression (Eibl-Eibesfeld), soziale Rollen (Hinde); Zeichen, Signale, Sprache (Frisch, Scherer, Wickler); "Soziobiologie" (Maynard Smith, Wilson); sexuelle Partnerwahl (Buss)

Entwicklungspsychologie: Deprivation (Harlow); Bindungsverhalten (Bowlby, Ainsworth); Kindheit (Hassenstein)

Grundrichtungen:

1. Quantitative Systemmodelle („Computermodelle") (Broadbent, Anderson)

2. Kognitive Denk-, Handlungs- und Problemlösemodelle (Miller, Kelley, Schachter, Flavell)

Sozialpsychologie: Attributionstheorien (Heider, Kelley); Emotionstheorie (Schachter, Singer) Einstellungen (Ajzen, Fishbein, Petty, Cacioppo)

Persönlichkeitspsychologie: Selbstkonzept (Wicklund, Filipp); Selbst-Schema (Markus)

Entwicklungspsychologie: Metakognitionen (Flavell); Entw. d. Leistungsmotivation (Heckhausen)

Pädagogische Psychologie:

Attribution und Leistung (Weiner); Produktionssysteme (Anderson)

Klinische Psychologie: Rational-emotive Therapie (Ellis); Kognitive Therapie der Depression (Beck)