20-jähriges Bestehen des Verbands der Psychologielehrerinnen und -lehrer
Rede des Bundesvorsitzenden Dieter Schürmans vom 2.12.1998 in Schwerte
Gründung und frühe Entwicklung
In den frühen 1970er Jahren gründeten Gymnasiallehrerinnen und -lehrer in Nordrhein-Westfalen eine Arbeitsgruppe, um das neu eingeführte Fach Psychologie zu vertreten. Sie entwickelten erste Lehrpläne im Auftrag des Kultusministeriums. Am 9. Juni 1978 wurde auf einer Fortbildungsveranstaltung in Heidenoldendorf der Beschluss zur Gründung eines Verbandes gefasst und beim Amtsgericht Siegburg ins Vereinsregister angemeldet.
Die zehn festgelegten Ziele des Verbandes wurden bis auf die Herausgabe von Schulbüchern alle realisiert. Ab 1981 fanden jährliche Mitgliederversammlungen mit mehrtägigen Fortbildungsveranstaltungen statt, zunächst in Schwerte, später wechselnd in verschiedenen Bundesländern.
Publikationen und Vernetzung
Die ersten Veröffentlichungen waren Rundbriefe, später entstanden daraus die Verbandszeitschrift „Psychologieunterricht", die zweimal jährlich erscheint. Einige Jahre lang wurden Unterrichtsmaterialien über einen zentralen Materialversand verbreitet.
Die Zusammenarbeit mit dem Bund Deutscher Psychologen wuchs kontinuierlich. 1992 wurde der Verbandsname nach intensiven Diskussionen von „Verband der Lehrer" in „Verband der Lehrerinnen und Lehrer" geändert.
Herausforderungen in den Anfangsjahren
Das Fach war lange Zeit gefährdet. Im Jahr 1979 wollte der Landtag Nordrhein-Westfalens das Fach Psychologie wieder aus dem Fächerkanon streichen. Die damalige Vorsitzende Dr. Gertrud Paffrath verteilte vor einer entscheidenden Schulausschusssitzung Informationsbroschüren an Landtagsabgeordnete, woraufhin das Fach bewahrt blieb.
Es gab zunächst keine Möglichkeit, Psychologie für das Lehramt zu studieren. Universitäten lehnten dies ab, und die Deutsche Gesellschaft für Psychologie sowie der Berufsverband Deutscher Psychologen hatten erhebliche Bedenken. Erste Psychologielehrer waren Diplom-Psychologen im Schuldienst oder hatten Erweiterungsprüfungen absolviert. Erst 1983 wurde an der Universität Duisburg ein ordentlicher Studiengang für das Lehramt eingerichtet.
Richtlinienentwicklung
Die Entwicklung von Richtlinien war umstritten. Im Juli 1981 wurden die Richtlinien für Nordrhein-Westfalen zunächst abgelehnt, weil das tiefenpsychologische Paradigma berücksichtigt worden war. Dr. Paffrath holte Gutachten von Professoren wie Alexander Mitscherlich, Horst-Eberhard Richter und Franz Wellendorf ein. Aufgrund dieser Stellungnahmen wurden die Richtlinien noch im Oktober 1981 genehmigt.
Von 1980 bis 1984 konnte das Fach nicht das gesellschaftswissenschaftliche Aufgabenfeld vertreten und befand sich in einer ungewöhnlichen Gruppierung neben Religion und Sport außerhalb aller Aufgabenfelder.
Entwicklung in den neuen Bundesländern
Nach der Wiedervereinigung 1991 wandte sich der Verband an die entstehenden Kultusministerien. Positives Echo kam zunächst nur aus Brandenburg. Über 100 Lehrerinnen und Lehrer meldeten sich für eine zusätzliche Ausbildung an. Ein Intensivkurs führte zu einem berufsbegleitenden Aufbaustudium an der Universität Potsdam.
In Sachsen-Anhalt folgte eine analoge Entwicklung mit zweijähriger Verzögerung. An der Universität Halle liefen bereits zwei Ausbildungskurse, und das Fach wurde für mehr als 2000 Schüler Realität.
In Berlin wurden über dreißig Lehrer ausgebildet, sodass Psychologieunterricht an mehr als dreißig Gymnasien angeboten werden konnte, während es zuvor nur an einer Schule in West-Berlin möglich war.
Bedeutung des Psychologieunterrichts
Psychologie wird an allgemeinbildenden und beruflichen Schulen unterrichtet. An beruflichen Schulen kann die praktische Anwendung von Wissen direkt beobachtet werden. An allgemeinbildenden Schulen knüpft der Unterricht an die Lebenswirklichkeit junger Menschen an.
Das Fach vermittelt Schlüsselqualifikationen wie soziale Kompetenz, die in fast allen modernen Berufen erforderlich sind. Schülerinnen und Schüler erfahren, dass sie für ihr gegenwärtiges und zukünftiges Leben lernen, nicht nur für ihre berufliche Tätigkeit.
Der Psychologieunterricht trägt zu einer Bildung bei, die „vom Lernenden zu seiner eigenen Sache gemacht werden" muss. Er hilft Schülern, die Welt des Menschen systematisch und historisch wahrzunehmen und die verschiedenen psychologischen Menschenbilder kritisch auf ihre ethischen Implikationen zu prüfen.
Erziehungswirkung
Schüler, die lernen, ihr eigenes Verhalten kritisch zu hinterfragen und zu relativieren, zeigen ein hohes Maß an Toleranz und Sensibilität für die Belange anderer. Viele Schüler, die Verantwortung für jüngere Mitschüler übernehmen oder sich schulpolitisch engagieren, finden sich in Psychologiekursen der Oberstufe. Ihr friedfertiges Verhalten resultiert aus einem Erkenntnisprozess, den zu fördern die Aufgabe der Lehrerinnen und Lehrer ist.
Obwohl das Fach manchmal spöttisch als Orchideenfach belächelt wird, gilt: Orchideen sind nicht nur selten, sondern auch kostbar. Es ist notwendig, das zu bewahren und zu fördern, das wertvoll ist — für die Erziehung und Bildung der jungen Generation.